In Österreich leiden jährlich rund 1,5 Millionen Menschen unter Pollenallergien – und der Herbst ist oft der vernachlässigte, aber genauso belastende Zeitabschnitt wie der Frühling. Während viele Betroffene im Mai und Juni mit der Pollenflut kämpfen, wird die Betriebsallergie im Herbst oft unterschätzt. Dabei sind die Symptome hier besonders intensiv: Heuschnupfen, Asthma und allergische Rhinitis treten nicht nur im Freien auf, sondern auch im Büro, in der Schule oder im öffentlichen Raum. Die Gründe sind vielfältig – von der Kombination aus Pollen und Hausstaubmilben bis hin zu neuen Allergenen wie Schimmelpilzsporen, die durch Klimawandel und moderne Heizsysteme noch stärker verbreitet werden.
Laut einer Studie der Universität Wien aus dem Jahr 2022 zeigen sich die ersten Anzeichen einer Herbstallergie oft bereits ab Mitte September. Besonders betroffen sind Menschen mit Vorerkrankungen wie Asthma oder Neurodermitis, die bereits im Sommer unter den Pollen leiden. Die Symptome reichen von starkem Niesen und tränenden Augen über Husten und Atemnot bis hin zu chronischen Kopfschmerzen. Doch während im Sommer oft die Sonne als natürliche “Pollenpille” gilt, ist im Herbst die Luft oft feuchter und schimmelreicher – ein perfektes Nährmedium für Allergene.
Die heimlichen Allergene: Was im Herbst wirklich stört
Während im Frühling vor allem Gräser- und Birkenpollen die Symptome auslösen, sind im Herbst die Probleme anders: Hier dominieren vor allem Ambrosia (Wiesenambrosia), Ragweed und Schimmelpilzsporen. Die Ambrosia-Pflanze, die in den letzten Jahren stark in Österreich verbreitet wurde, produziert bis zu 100.000 Pollen pro Pflanze – und diese bleiben oft wochenlang in der Luft. Besonders kritisch ist der Zeitraum zwischen Oktober und November, wenn die Pollen durch warme Nächte und Regen noch länger in der Atmosphäre schweben. Studien zeigen, dass in diesen Wochen die Pollenkonzentration in Wien um bis zu 50 % höher ist als im Sommer.
Ein weiterer Faktor ist der Schimmelpilz: Durch die zunehmende Hitze und Feuchtigkeit im Herbst bilden sich in Gebäuden und auf Böden mehr Sporen. Besonders problematisch sind dabei Alternaria und Cladosporium, die in der Luft schweben und bei empfindlichen Menschen zu schweren Asthmaanfällen führen können. Ein Beispiel aus der Praxis: In einem Wiener Bürogebäude wurde 2023 ein Fall dokumentiert, bei dem drei Mitarbeiter nach einem Schimmelbefall im Keller innerhalb weniger Wochen zu Atemnot und chronischem Husten führten. Die Ärzte diagnostizierten eine allergische Reaktion auf die Sporen, die sich durch die Lüftungssysteme verbreiteten.
- Ambrosia-Pollen bleiben bis zu drei Wochen in der Luft und können bei empfindlichen Personen zu schweren Asthmaanfällen führen.
- In Österreich werden jährlich rund 500.000 Arztbesuche wegen Herbstallergien registriert – ein Anstieg von 30 % seit 2018.
- Die meisten Betroffenen zeigen erste Symptome bereits ab Mitte September, bevor die Pollenflut beginnt.
- Schimmelpilzsporen wie Alternaria und Cladosporium sind im Herbst bis zu 10-mal häufiger in der Luft als im Sommer.
- Laut einer Studie der AKh Wien leiden 15 % der Bevölkerung mit Asthma unter verstärkten Anfällen im Herbst.
Doch nicht nur die Luft ist das Problem: Auch die Arbeitsumgebung spielt eine entscheidende Rolle. Viele Büros sind schlecht gelüftet, und die Heizung trocknet die Luft aus – ein idealer Nährboden für Staubmilben und Allergene. Besonders kritisch sind Räume mit hohen Staubanteilen, wie z. B. Lagerhallen oder Schulen mit alten Bodenbelägen. Ein Fall aus Niederösterreich zeigt, wie sich das auswirkt: In einer Grundschule wurden 2022 nach einer Sanierung der Fußböden 12 Kinder mit neu auftretendem Asthma diagnostiziert. Die Ursache: Die Milben hatten sich in den neuen Teppichen vermehrt und die Allergene durch die Belüftung in die Luft abgegeben.
Was hilft im Büro? Tipps für Allergiker
Für Betroffene gibt es einige Maßnahmen, um die Symptome im Herbst zu reduzieren. Zunächst sollte die Belüftung der Räume angepasst werden: Regelmäßiges Lüften – auch wenn es kalt ist – hilft, Pollen und Sporen aus der Luft zu entfernen. Filterluftanlagen mit HEPA-Filtern sind besonders effektiv, da sie auch winzige Partikel aus der Luft filtern. Zudem sollten Arbeitsplätze so gewählt werden, dass sie nicht direkt von Fenstern oder Lüftungsschächten aus liegen, wo Allergene konzentriert sind.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Reinigung: Regelmäßig Staubwischen und Teppiche ausleeren reduziert die Milbenpopulation. Auch die Wahl der Kleidung spielt eine Rolle: Im Büro sollte man auf synthetische Stoffe verzichten und stattdessen Baumwolle oder Leinen tragen, da diese weniger Allergene anziehen. Wer mit Pollen oder Schimmelsporen in Berührung kommt, sollte nach Hause wechseln und die Kleidung waschen. Besonders effektiv ist es, eine spezielle Allergie-Schutzmaske zu tragen, die Feinstaub und Pollen filtert.
Für Menschen mit schweren Allergien oder Asthma ist es oft sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen. Ein Hauttest oder Bluttest kann zeigen, gegen welche Allergene die Person besonders empfindlich reagiert. In einigen Fällen kann eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) helfen, die Reaktion auf bestimmte Allergene zu reduzieren. Zudem sollten Medikamente wie Antihistaminika oder Kortison-Sprays im Notfall griffbereit sein. Besonders im Herbst, wenn die Symptome oft stärker werden, ist es wichtig, frühzeitig zu handeln und nicht zu warten, bis die Beschwerden ausbrechen.
Die Zukunft der Allergien: Warum der Klimawandel alles verändert
Ein zentrales Thema ist der Einfluss des Klimawandels auf die Allergien in Österreich. Durch die wärmeren Temperaturen und längeren Trockenphasen vermehrt sich Ambrosia und andere Neophyten wie Ragweed rasant. Studien des Umweltbundesamtes zeigen, dass die Pollenflugphase in einigen Regionen bereits um bis zu drei Wochen verlängert wurde. Gleichzeitig steigt die Häufigkeit von Schimmelpilzen, da sich durch die erhöhte Luftfeuchtigkeit mehr Pilze in Gebäuden und auf Böden ausbreiten.
Die Folgen sind gravierend: Nicht nur die Symptome werden stärker, sondern auch die Dauer der Beschwerden verlängert sich. Während im Sommer oft die Sonne die Pollen neutralisiert, ist im Herbst die Luft oft zu feucht und zu kalt, um die Allergene schnell zu entfernen. Dies führt dazu, dass Betroffene länger mit den Symptomen kämpfen müssen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass sich die Allergien in den nächsten Jahrzehnten weiter verschärfen werden, da sich die Allergene immer weiter anpassen und neue Sensibilisierungen auftreten.
Die Herausforderung für die Gesellschaft liegt darin, mit diesen Veränderungen umzugehen. Schulen, Büros und öffentliche Gebäude müssen besser auf die Bedürfnisse von Allergikern eingestellt sein. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Bevölkerung über die Risiken informiert wird und Maßnahmen ergreift, um die Symptome zu lindern. Ein Beispiel aus der Praxis ist die Einführung von “Allergie-freien Zonen” in einigen Wiener Schulen, wo besonders empfindliche Kinder einen Rückzugsort haben, um ihre Beschwerden zu reduzieren.
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